Boltensternstraße LUURENSIn solcher Zahl kommen Flüchtlinge nach Deutschland, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch als Strom und Masse erscheinen. LUUR ENS! möchte die Menschen sichtbar machen, die hinter Wortungetümen wie Flüchtlingskrise zu verschwinden drohen. Flüchtlingskinder zwischen sechs und 14 Jahren erhielten Fotokameras und die nötige fachmännische Anleitung, um ihr unmittelbares Umfeld zu dokumentieren. In zwei 2-tägigen Workshops in den Kölner Unterkünften Herkules- und Boltensternstraße mit insgesamt 60 Kindern kamen so mehr als 6.000 Schnappschüsse zusammen. Diese Ausstellung präsentiert eine Auswahl von 180 Bildern. Eine fachkundige Jury kürte die sechs besten, die hier in größerem Format zu sehen sind.

Die Fotografien sind Momentaufnahmen aus dem unmittelbaren Lebensumfeld der Kinder. Sie zeigen Selfies (das Gegenwartsphänomen der Selbstporträts ist wahrhaft global), Gleichaltrige in typischen Posen, Eltern und Geschwister, Sozialarbeiter und Wachpersonal, die Türen, Wände und Mauern der Flüchtlingsunterkünfte, umgebende Architektur, gelegentlich Wiesen und Parks voller Herbstlaub. Die besten Bilder vermitteln einen Blick auf die Stadt aus der Sicht der Kinder. Sie sind es, die den Überlebenskampf in diesem für sie unbekannten Umfeld am stärksten spüren. Die Heimat ist weit weg. Köln ist, bestenfalls, eine Zuflucht und vielleicht auch eine Zukunft, schlimmstenfalls ein Zwischenstopp auf einer Odyssee, die mit der Vertreibung endet.

LUUR ENS! ist eine Initiative von Kölner Künstlern, Fotografen und Medienschaffenden – motiviert vom Drang, etwas zu tun, und von der Neugier auf die Menschen, die zwar in Flüchtlingsunterkünften, aber doch mitten unter uns leben.

Der Ausstellungstext